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#QuerDurchDieWelt
Frédéric Beernaerts: Architekt ohne Grenzen
Von Simbabwe bis Kuwait und von der Karibik bis zu den Metropolen der Golfregion: Frédéric Beernaerts hat eine Karriere aufgebaut, die alles andere als geradlinig ist. Seit fast dreißig Jahren reist dieser belgische Architekt von einem Auftrag zum nächsten. Sein Kompass? Die unerschütterliche Überzeugung, dass Architektur erst durch die Konfrontation mit der sie umgebenden Realität – lokalen Kulturen, Einschränkungen, Krisen und Wandlungsprozessen – wirklich Bedeutung erlangt.
Seine Laufbahn folgt den Bruchlinien der modernen Globalisierung: Wiederaufbau nach einer Naturkatastrophe in der Karibik, Wohnungsbauprogramme in Afrika, Renovierung von Ladenlokalen im Vereinigten Königreich und Megaprojekte im Nahen Osten. Lernen Sie einen außergewöhnlichen Experten, Weltenbummler, Freiberufler und scharfsinnigen Beobachter eines sich wandelnden Fachgebiets kennen. Einen Expat, der seinen eigenen Werdegang mit dem Blick eines Menschen betrachtet, der mehrere Leben in einem gelebt hat.
Immer woanders
In der Familie Beernaerts ist diese internationale Mobilität fast selbstverständlich. Sie zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben: eine Mutter, die an einer Europäischen Schule unterrichtete, und ein Vater, der seine Karriere als Jurist in Gabun beendete.
Dennoch deutete nichts darauf hin, dass der junge Brüsseler später vor allem in englischsprachigen Umgebungen arbeiten würde. Englisch war anfangs seine Schwäche, doch er beschloss, diese in Stärke umzuwandel. „Ich wollte die Sprache eher zum Motor machen und nicht zur Bremse“, fasst er zusammen.
Nachdem er 1996 sein Studium am Institut Victor Horta (Université Libre de Bruxelles) abgeschlossen hatte, wählte er entschlossen einen Weg abseits der ausgetretenen Pfade. Sein Ziel: Simbabwe.
Harare: Lernen im Eiltempo
In Harare begann er bei einem der renommiertesten Architekturbüros des Landes zu arbeiten. Das war ein Schock. Architektur war dort nicht konzeptionell oder unzugänglich, sondern zwingend und manchmal von akuten Notsituationen diktiert.
Die Projekte folgten in raschem Tempo aufeinander: Hotels, Banken, öffentliche Einrichtungen und private Häuser. Vielseitigkeit wurde zur täglichen Disziplin. Technische Präzision musste sich gegen einen chronischen Mangel an Mitteln behaupten. Einige Aufträge hinterließen einen unauslöschlichen Eindruck, wie etwa ein Bestattungszentrum für AIDS-Opfer oder die Erweiterungen westlicher diplomatischer Vertretungen. „Wir lernten schnell, Entscheidungen zu treffen, ohne dabei Genauigkeit einzubüßen.“
Nach einer Naturkatastrophe dreht sich Architektur nicht mehr um Gestaltung. Sie ist ein Hilfsmittel zum Überleben.
Ende der 90er Jahre führte die politische Verschärfung des Robert-Mugabe-Regimes dazu, dass der Zugang zum Land schrittweise unmöglich wurde. Ein erstes Kapitel war abgeschlossen, doch der Drang, weiterzureisen, war endgültig geweckt.
Bestätigung als Expat
Sein Weg führte ihn nach Montserrat, einem britischen Überseegebiet in der Karibik, schwer beschädigt vom Ausbruch des Vulkans Soufrière. Ein Teil der Insel war vollständig in Schutt und Asche gelegt worden. In dieser abrupt zum Stillstand gekommenen Landschaft arbeitete Beernaerts im Rhamen von Wiederaufbauprogrammen der Vereinten Nationen.
Dabei ging es nicht darum, architektonische Meisterwerke zu errichten, sondern Kontinuität zu gewährleisten: Menschen neu unterzubringen, Stabilität zu schaffen und etwas Bleibendes zu erbauen. „Nach einer Naturkatastrophe dreht sich Architektur nicht mehr um Gestaltung. Sie ist ein Hilfsmittel zum Überleben.“
Ein Zwischenstopp in Australien bei einem Bauunternehmer, der am Wiederaufbau der Insel beteiligt war, verlängerte dieses Abenteuer. Anfang der 2000er Jahre kehrte er dann nach Belgien zurück.
Zurück in Europa: zwischen Einleben und neuem Aufbruch
In Brüssel stürzte er sich in Projekte für Krankenhäuser, Geschäfte und Büros. Doch diese Stabilität blieb eher oberflächlich. Im Inneren schlummerte die Reiselust weiter. Afrika klopfte erneut an seine Tür.
In Kenia half er bei den von den Vereinten Nationen unterstützten Wohnungsbauprojekten. Im Senegal arbeitete er im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit an der Renovierung der ehemaligen Assemblée territoriale du Fleuve in Saint-Louis.
Stück für Stück Projekte, die eine wichtige Einsicht bestätigten: Architektur steht niemals für sich allein; sie ist untrennbar mit den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Systemen verbunden, in denen sie entsteht.
Vereinigtes Königreich: Von strengen Normen zur Krise
Im Jahr 2006 zog er ins Vereinigte Königreich, um an einem groß angelegten Renovierungsprogramm der Marks & Spencer-Filialen im ganzen Land mitzuwirken. Der Rahmen war streng, normiert und alles musste schnell gehen. Dabei erlebte er eine tiefgreifende berufliche und sprachliche Immersion.
Und dann kam das Jahr 2008. Die weltweite Finanzkrise brachte einen wesentlichen Bestandteil der Projekte abrupt zum Stillstand. Dies bestätigte ein grundlegendes Merkmal des Berufs: Architektur bewegt sich im Einklang mit der globalen Konjunktur.
Die Golfregion: zwischen Stärke und Verletzlichkeit
Gerade in dieser unsicheren Zeit nahm ein Headhunter Kontakt zu ihm auf. Das Ziel: der Nahe Osten. Und damit wurde der intensivste Zeitraum seiner Karriere eingeläutet. Er arbeitete in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain und Kuwait.
Über zehn Jahre lang reihte er Megaprojekte aneinander. Kläranlagen, militärische Infrastruktur, Paläste, Flughäfen und Rechenzentren: Dieses Portfolio spiegelt die enorme Dynamik einer Region wider, die sich in einem stetigen Wandel befindet.
Die Dynamik eines globalisierten Fachgebiets
Im Nahen Osten bestimmt der Ölpreis die Nachfrage nach neuen Projekten. In Europa sorgt die Dichte der bestehenden Architekturlandschaft für einen gnadenlosen Wettbewerb um Großaufträge. Viele Architekten gehen leer aus. „Wäre ich in Belgien geblieben, hätte meine Karriere ganz anders ausgesehen“, blickt er zurück.
Obwohl er sich seinem Heimatland stark verbunden fühlt, unterstreicht er die Bedeutung der Beziehungen, die er zur belgischen Gemeinschaft im Ausland pflegte. So war er unter anderem Vorsitzender des belgischen Clubs in Katar. Immer mit dem Ziel, belgisches Fachwissen mit der lokalen Kultur zu verknüpfen.
Eine Pause für einen Neuanfang
Am Ende seiner letzten Mission in Kuwait verließ er das Land im Jahr 2006, körperlich gezeichnet von einem doppelten Bandscheibenvorfall nach vier besonders intensiven Jahren. Eine schmerzhafte Erinnerung daran, wie entscheidend eine gute Gesundheitsversicherung ist. Zudem ließ es ihn das Gesundheitswesen und die Sozialen Sicherheit in Europa mit anderen Augen sehen – Systeme, die er lange Zeit als selbstverständlich angesehen hatte. „Bei der Überseeischen Sozialen Sicherheit (ÜSS) und in Europa im Allgemeinen ist Versicherungsschutz doch wesentlich umfassender und effizienter als in manchen anderen Ländern.“
Er beschloss, nach Montserrat zurückzukehren, an den Ort, an dem er Jahre zuvor beim Wiederaufbau nach der Vulkan-Katastrophe geholfen hatte. Damit schließt sich der Kreis. In dem Haus, das er dort nun für sich selbst renoviert – weit entfernt von den Megaprojekten am Golf –, erhält die Zeit eine andere Dimension. Seine Tage füllen sich mit Rehabilitation, Heimwerken und Stille. Eine ganz andere Art des Bauens.
„Ein Glück im Unglück“, sagt man manchmal. Der Weggang aus Kuwait, um sich auf Montserrat zu erholen, erwies sich im Nachhinein als perfekt getimed: Nur wenige Tage später brach der neue Golfkrieg aus. Sein Projekt wurde teilweise zerstört.
Anders weitermachen
Seitdem investiert er Zeit und Training in seine Genesung, während er bereits wieder vorsichtig neue berufliche Herausforderungen sondiert. Wo genau? „Ich schließe derzeit keine Option aus“, sagt er nüchtern.
Jetzt, mit bald sechzig Jahren, ist seine noch immer Neugier ungebrochen, angetrieben von dem ständigen Willen, seinen Beitrag zu leisten. Mittlerweile sucht er vor allem nach der richtigen Balance: Ehrgeiz oder Lebensqualität? „Beides, wenn es irgendwie geht“, schließt er mit einem vielsagenden Lächeln.
Und wer seiner Geschichte zuhört, weiß eines ganz sicher: Nichts deutet darauf hin, dass die nächste Station die letzte sein wird. Und auch nicht die vorhersehbarste.
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