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„Woher kommst du?“ Diese scheinbar harmlose Frage wird oft auf dem Schulhof oder beim ersten Gespräch in einer neuen Klasse gestellt. Für Kinder, die in einer Expat-Familie außerhalb Europas aufwachsen, ist die Antwort auf diese Frage nicht leicht. Sie haben vielleicht einen belgischen Pass, sprechen mehrere Sprachen durcheinander und fühlen sich nicht nur an einem Ort zu Hause.

Man nennt diese Kinder oft Third Culture Kids (TCK). Es sind Kinder, die nicht in einer spezifischen Kultur aufwachsen, sondern genau an der Schnittstelle verschiedener Kulturen. Sie verbinden die Kultur ihrer Eltern mit der des Landes, in dem sie leben. Dabei entsteht, geprägt durch ihre eigenen Lebenserfahrungen, eine einzigartige dritte Kultur und damit eine Identität, die nicht an ein Land gebunden ist, sondern an ihre eigene Geschichte.

Immer unterwegs

In vielen Familien fängt es mit einem Jobangebot im Ausland an: in Afrika, im Nahen Osten oder in Asien. Ein zunächst befristeter Vertrag kann sich schnell zu einem mehrjährigen Projekt. Entwickeln. Was folgt, ist ein Leben, in dem sich Aufbruch und Ankunft abwechseln: ein neues Zuhause, eine neue Schule, neue Freunde und immer wieder Abschiede. Das ist schon für Erwachsene einschneidend, für Kinder ist es prägend.

In internationalen Schulen lernen diese Kinder schon früh, dass jede Begegnung vorübergehend sein kann. Freundschaften entstehen schnell und sind intensiv. Aber immer ist im Hinterkopf der Gedanke der zeitlichen Begrenzung. „See you somewhere in the world“ ist keine leere Floskel, sondern eine Form des Abschieds.

Durch dieses ständige Unterwegssein sind Expat-Kinder besonders flexibel. Sie spüren schnell, was in einer neuen Umgebung sozial akzeptiert wird. Sie passen ihren Sprachgebrauch an und bewegen sich mühelos zwischen verschiedenen Bezugssystemen. Wo andere Zeit brauchen, um sich einzugewöhnen, scheinen sie sofort Fuß zu fassen. Die Kehrseite der Medaille: Es gibt keine stabile Basis, auf der sich alles festigen kann.

Zuhause – was ist das?

Für viele TCKs ist „Zuhause“ kein Ort, sondern ein Gefühl. Ein Gefühl, das mit bestimmten Menschen, Erinnerungen und Routinen verbunden ist, die sich nicht auf ein einziges Land festlegen lassen. Oftmals ist Belgien durch Familienbesuche, Sommerferien bei den Großeltern, Feiertage usw. ein Teil ihrer Geschichte. Es ist aber nicht immer der Ort, mit dem sie sich spontan identifizieren. Gleichzeitig fühlen sich die Kinder auch nicht vollständig mit dem Land verbunden, in dem sie aufwachsen. Das kann besonders in der Pubertät verwirrend sein, wenn sich die Identität deutlicher abzeichnet. Die Frage „Wer bin ich?“ wird komplexer, wenn man keinen eindeutigen kulturellen Rahmen hat, auf den man zurückgreifen kann. (Lesen Sie auch unseren Blog „Psychische Gesundheit von Expats“.)

Aber es liegt auch eine Stärke darin. Viele dieser Jugendlichen entwickeln eine breite Weltanschauung, eine selbstverständliche Offenheit und die Fähigkeit, Nuancen zu erkennen, wo andere eher in Schwarz-Weiß-Kategorien denken.

Sprache in all ihren Facetten

Sprache spielt in diesem Prozess eine besondere Rolle. In vielen Expat-Familien vermischen sich die Sprachen: Niederländisch am Küchentisch, Englisch in der Schule, vielleicht noch eine dritte Sprache auf der Straße. Für viele Kinder wird Mehrsprachigkeit zur Selbstverständlichkeit. Der Weg ist aber nicht immer einfach. Kinder entwickeln eine mehrsprachige Identität, in der Sprachen nebeneinander existieren – manchmal, ohne dass eine davon vollständig dominiert.

Sprache ist selten nur ein Kommunikationsmittel. Sprache ist auch ein Schlüssel zum „Dazugehören“. TCKs spüren intuitiv, welche Wörter zu welchem Kontext passen, wechseln fließend zwischen Sprachregistern, haben aber manchmal auch das Gefühl, das etwas fehlt. Keine Sprache fühlt sich hundertprozentig „wie ihre eigene“ an. Das kann sich in kleinen Unsicherheiten äußern: ein Wort, das einem gerade nicht einfällt, oder ein Akzent, der nirgendwo hingehört. Allerdings entwickeln sie eine außerordentliche Sensibilität für Nuancen, Tonfall und Kontext: Fähigkeiten, die sich später oft als sehr wertvoll erweisen.

Abschied als Fähigkeit

Das vielleicht einschneidendste Element im Leben eines TCK ist das Abschied nehmen. Freunde, die wegziehen, Länder, die sie verlassen, Geschichten, die abrupt enden. Manche Kinder entwickeln dadurch eine gewisse Distanziertheit, eine Art, sich davor zu schützen, immer wieder loslassen zu müssen. Andere leben Beziehungen besonders extrovertiert und intensiv, als ob jeder Moment zählte.

Unsichtbare Unterstützung

Ein solches internationales Leben ist nur mit Unterstützung hinter den Kulissen möglich. Daran sollte man immer denken. Für belgische Expat-Familien kann die Überseeische Soziale Sicherheit eine wichtige Rolle spielen. Kinder sind in der Regel als unterhaltsberechtigte Personen im Versicherungspaket ihrer Eltern mitversichert. Sie zahlen bis zum 18. Lebensjahr keinen Eigenbeitrag und wenn sie studieren, nicht bis zum 24. Lebensjahr. (Lesen Sie auch unseren Blog „Wer kann meine Expat-Versicherung in Anspruch nehmen“.)

Rückkehr nach Belgien

Wenn Expat-Familien schließlich nach Belgien zurückkehren, sind Kinder oft mit einer unerwarteten Realität konfrontiert: Sie sind „neu“ in dem Land, das für sie ein Teil ihres Lebens ist. Sie sprechen die Sprache, aber manchmal eben etwas anders. Sie kennen die Zusammenhänge, aber nicht immer die Details. Sie gehören dazu, fühlen sich aber nicht so.

Diese Rückkehr ist kein Ende der Geschichte, sondern eine weitere Phase. Es ist ein Moment, in dem alle Erfahrungen zusammenkommen und neu in einen Kontext integriert werden müssen. Ein Kontext, der zugleich vertraut und fremd ist.

Third Culture Kids wachsen buchstäblich zwischen verschiedenen Kulturen auf. Ihre Kindheit ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Sie lernen früh, dass Identität nicht festgelegt ist, sondern sich entwickelt. Dass Heimat etwas ist, das man in sich trägt, nicht unbedingt etwas, das man hinter der eigenen Haustür vorfindet.

Dadurch ist ihr Lebensweg komplex, manchmal verwirrend, aber auch ganz besonders reichhaltig. Vielleicht ist das letztlich der Kern ihrer Geschichte: nicht das Fehlen von Wurzeln, sondern die Tatsache, dass sich diese Wurzeln anders bilden, weniger sichtbar, aber dennoch tief in Erfahrungen und Beziehungen verankert.

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